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Die Frohnertkapelle PDF Drucken E-Mail

 

Das wohl bekannteste Symbol "des Kirchlichen" in Oberkail ist die Frohnertkapelle. Seit Jahrhunderten ist sie stets ein gern besuchtes Wallfahrtsziel der Oberkailer und ihrer Nachbarn. Die Lichterprozessionen am ersten Maisonntag und am Sonntag nach dem 8. September sind als Wallfahrtsform des ausgehenden 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Ebenso erfreuen sich die heiligen Messen, die in den Sommermonaten zwischen den beiden Lichterprozessionen montags um 20 Uhr zu Ehren der schmerzhaften Gottesmutter und der heiligen 14 Nothelfer stattfinden, großen Zuspruchs.

Frohnertkapelle von außen

Graf Philipp Dietrich von Manderscheid-Kail (1613-1653) war der Erbauer der Wallfahrts-Kapelle "Frohnert" auf dem Hügel über Oberkail, die wahrscheinlich eine Nachbildung der ältesten Gnadenkapelle der "Trösterin der Betrübten" in Luxemburg ist. Die Vermutung liegt nahe, dass die Schrecken des Pestjahres 1636 in Oberkail den Gedanken einer besonderen Gebetsstätte reifen ließen. Bald nach 1636 muss man mit den Bauarbeiten begonnen haben, denn am 14. August 1639 erteilte der Trierer Weihbischof Otto von Senheim dem Grafen die Erlaubnis, in der schon weitgehend fertiggestellten Kapelle "der hl. Maria, des hl. Rochus und anderer Heiliger" die hl. Messe auf einem (transportablen) Altarstein feiern zu lassen.

 

Dieses Provisorium sollte bis zur Einweihung  der noch zu vollendenden Kapelle gelten. Die "anderen Heiligen" sind die großen Schutzpatrone gegen die Pest und andere Seuchen: Sebastian, Luzia, (H)adrian und Natalia. Hadrians Fest (8. September) wurde zum Hauptwallfahrtstag; der Berg bekam nach ihm den Namen "Adriansberg". Am 26. August 1647 begannen die Handwerker mit der Errichtung des Altars, also waren die Bauarbeiten wohl kurz danach abgeschlossen. Der Graf und ein Zisterziensermönch aus Himmerod haben eine gemeinsame Vision an diesem Tag sicherlich als Zeichen gesehen, dass der Himmel das fromme Werk annahm.

Da in Oberkail die Bauleute aus dem nahen Himmerod noch im spätgotischen Stil (dortiger Kreuzgang) zu bauen gewohnt waren, wurde das runde Luxemburger Vorbild zu einer oktogonalen Anlage (Durchmesser: 8½ m) mit sechs bis zum Beginn der Wölbung reichenden Spitzbogenfenstern abgewandelt. In den Raum gelangt man durch einen rechteckigen kreuzrippengewölbten Vorraum im Westen. Der östliche Abschluss bildet ein trapezförmiger Chor, der heute als Sakristei genutzt wird. Die komplette Inneneinrichtung wurde bei der französischen Säkularisation versteigert. Seitdem stehen die alten Nothelferfiguren aus Frohnert in der Herforster Pfarrkirche. Zwei Generationen von Nachfolgestatuen wurden 1966 bzw. 1973 gestohlen. Deshalb wurden 1978 die figürlichen Darstellungen der Nothelfer mit Acrylfarben auf den Wandputz gemalt. Der neugotische Altar von 1865 zeigt als Hauptbild die schmerzhafte Muttergottes. In seinen Nischen stehen heute Darstellungen der ursprünglichen Patrone Sebastian und Rochus sowie der Heiligen Florian und Cäcilia aus den 1990er Jahren. Frohnert ist ein Wallfahrtsort für Einzelpilger und kleinere Gruppen. Seine Bedeutung bezieht sich hauptsächlich auf den näheren Umkreis. Die vierzehn Nothelfer werden seit alters her in den verschiedensten Anliegen angerufen.

Frohnertkapelle - Innenansicht

Die Reihenfolge der nachfolgenden Kurzbeschreibung der 14 Nothelfer entspricht ihrer Gruppierung in der Frohnertkapelle, beginnend links vom Altar.

Heilige(r) Gedenktag Patronat Attribute/Darstellung
Katharina 25. Nov. Patronin der Theologen, Philosophen, Rechtsgelehrten und Wissenschaftler; Fürsprecherin für das Gedeihen der Feldfrüchte. zerbrochenes Marterinstrument: Rad
Blasius 3. Februar Helfer gegen Halsleiden Evangelienbuch, zwei brennende Kerzen
Pantaleon 27. Juli Helfer gegen Kopfschmerzen, Schutzpatron der Kranken, Ärzte und Hebammen. Medizingefäß
Georg 23. April Patron von Staaten, Königen und Zünften; Helfer in Glaubenszweifeln Drachentöter
Dionysius 9. Okt. Helfer bei Kopfleiden und Gewissensängsten dargestellt als enthaupteter Bischof
Margareta 20. Juli Patronin der Bauern, Helferin in Geburtsnöten Kreuz und Drachen
Christophorus 24. Juli Patron der Reisenden, Schiffer, Flößer und Kraftfahrer abgebildet mit Jesuskind auf Schulter
Eustachius 20. Sept. Patron der Jäger und Förster, Helfer bei Wassergefahr und in Glaubenszweifeln sowie bei schweren Schicksalsschlägen Hirschkuh mit Kreuz im Geweih
Barbara 4. Dez. Trösterin der Gefangenen, Schutzherrin der Bergleute und Architekten, Beschützerin vor Gewitter, Feuersnot, Fieber und Pest Turm, in den sie eingesperrt wurde
Erasmus 2. Juni Patron der Seeleute und Schiffer, Helfer bei Unterleibserkrankungen Bischof mit Schiffswinde
Zyriakus 8. August Patron der Unterdrückten, Helfer in verschiedensten Versuchungen Dargestellt als Diakon
Vitus (Veit) 15. Juni Patron der Jugend, der Schmiede, Apotheker, Brauer, Wirte, Winzer und Schauspieler. Helfer bei Anfällen, Epilepsie (Veitstanz), Augenkrankheiten und Unfruchtbarkeit. Dargestellt mit Taube auf Buch
Achatius 22. Juni Helfer in Lebens- und Todesängsten Darstellung als Soldat mit Dornenkrone und Kreuz
Ägidius 1. Sept. Beschützer des Viehs und der Hirten Dargestellt wird er als Einsiedler

Weitere Informationen zu den Heiligen gibt es online im Heiligenlexikon.

Quellen:
Gerten/Kreutz/Rech: Oberkail - Geschichte eines Dorfes in der südlichen Eifel, Neuerburg 2001.
Gerten/Kreutz: Frohnert - Geschichte einer Wallfahrtskapelle bei Oberkail/Eifel, Neuerburg 1996.
Fotos: Rudolf Höser, St. Thomas

 
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